Auf offener See gibt es nichts, das höher ist als Sie. Der Mast einer Yacht ist inmitten einer flachen Meeresoberfläche der einzige Einschlagpunkt – und anders als an Land kann es Stunden dauern, bis Hilfe eintrifft.
Warum ist das Risiko auf See so hoch?
Der Blitz sucht sich den höchsten Punkt. An Land ist das meist ein Gebäude, ein Turm oder ein Baum; auf offener See ist es das Boot selbst. Der Mast einer Segelyacht ist kilometerweit der einzige herausragende Punkt. Die Meeresoberfläche ist zugleich eine gut leitende Ebene — das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Entladungsweg über das Boot verläuft.
Das zweite, weniger bekannte Risiko ist die salzige Umgebung. Salzhaltige Luft und Meerwasser lassen Metallverbindungen schnell korrodieren. Eine korrodierte Verbindung kann bei einer Messung intakt wirken, zeigt im Moment des Einschlags jedoch einen hohen Widerstand. Außerdem entsteht an Kontaktstellen unterschiedlicher Metalle galvanische Korrosion — das gefährdet sowohl die Erdungsanlage als auch den Bootsrumpf.
Drittens die hohe Dichte an Elektronik, die Boote heute an Bord haben. Radar, GPS, AIS, VHF, Autopilot, Sonar, Satellitenkommunikation, Motorsteuergeräte und Batteriemanagementsysteme — allesamt empfindliche Niederspannungsgeräte. Fällt dies während der Fahrt aus, ist das kein Komfortproblem, sondern ein Problem der Navigationssicherheit.
Übermäßige Exposition
Auf offener See ist das Boot der einzige hohe Punkt und das einzige Einschlagziel in seiner Umgebung.
Navigationssicherheit
Der gleichzeitige Ausfall von Radar, GPS und VHF schafft auf offener See eine ernste Sicherheitslage.
Korrosion
In salzhaltiger Umgebung steigt der Verbindungswiderstand mit der Zeit; falsche Materialwahl führt zu galvanischer Korrosion.
Zugang und Reparatur
Der Austausch einer Antenne an der Mastspitze ist um ein Vielfaches teurer als im vergleichbaren Fall an Land.
Wo wird der Schutz installiert?
Im maritimen Bereich wird der Schutz in zwei getrennten Feldern betrachtet: Systeme an Bord und landseitige Anlagen (Marina, Steganlage, Werft). Die Bedingungen und Lösungen beider Bereiche unterscheiden sich grundlegend.
Die Mastspitze ist zugleich Einschlagpunkt und der Ort der wertvollsten Ausrüstung: Radar, VHF-Antenne, Windsensor, Positionslaternen. Jedes von dort herabführende Kabel kann im Moment der Entladung zu einem Strompfad werden.
Deshalb hat der Schutz der Koaxialleitungen Vorrang vor dem Schutz der Energieleitung. Das Koax-Schutzgerät darf die HF-Leistung nicht beeinträchtigen und muss zum jeweiligen Frequenzbereich passen — ein falsch gewähltes Gerät schwächt das Signal.
Moderne Boote vereinen 12-, 24- und 48-V-DC-Systeme, Batteriebänke, Wechselrichter und Ladegeräte. Die Kritikalität des Schutzes auf der DC-Seite beruht auf demselben Grund wie bei Landanlagen: Ein DC-Lichtbogen erlischt nicht von selbst. Ein Schutzgerät mit unzureichendem Trennverhalten stellt in der geschlossenen, brennbares Material enthaltenden Bootsumgebung ein ernstes Risiko dar.
Motorsteuergeräte, Autopilot und Batteriemanagementsysteme müssen zusätzlich über ihre eigenen Signalleitungen geschützt werden.
Eine Marina ist elektrotechnisch eine anspruchsvolle Anlage: Freifläche, salzhaltige Umgebung, lange über Wasser verlaufende Versorgungsleitungen und ständig wechselnde Nutzer. Eine Überspannung aus den Landstromsäulen (Shore Power) kann sämtliche angeschlossenen Boote gleichzeitig treffen.
Deshalb wird der Schutz zweistufig ausgelegt: sowohl die Hauptverteilung der Marina selbst als auch der getrennte Schutz jedes einzelnen Stegarms. Ladepunkte für Elektrofahrzeuge und Bootsladegeräte sind ebenfalls Teil desselben Plans.
Werften vereinen die anspruchsvollsten Eigenschaften von Industrieanlagen und maritimer Umgebung: Kräne und Travellifts, Schweiß- und Lackierwerkstätten, Betankungspunkte, im Freien verlegte Energieleitungen.
Treibstoff- und Lacklager erfordern eine Bewertung als brand- und explosionsgefährdeter Bereich; in diesen Zonen wird die Schutzklasse angehoben. Kräne und Hebezeuge tragen ein doppeltes Risiko, da sie zugleich hohe Bauwerke und empfindliche Steuerungssysteme sind.
In der maritimen Umgebung ist die Materialwahl ebenso entscheidend wie die Produktwahl. Eine Verbindung, die an Land zehn Jahre problemlos hält, kann in salzhaltiger Luft bereits nach wenigen Jahren ihre Funktion verlieren.
Zwei Punkte sind entscheidend. Erstens die galvanische Unverträglichkeit: Der Kontakt unterschiedlicher Metalle in feuchter, salzhaltiger Umgebung löst aufgrund der Potentialdifferenz zwischen ihnen rasche Korrosion aus. Zweitens die Schutzart des Gehäuses: An ungeschützt der Witterung ausgesetzten Stellen sollten Lösungen mit korrosionsbeständigem Gehäuse bevorzugt werden.
Deshalb werden Verbindungstechnik, Leitermaterial und Schaltschrankgehäuse bereits in der Planungsphase gemeinsam festgelegt.
Bei Landanlagen wird die Erdung nach klassischen Methoden ausgeführt; da sich jedoch Salzgehalt und Feuchtigkeit des Bodens in Küstennähe saisonal verändern, ist die periodische Messung hier umso wichtiger.
Bei Booten liegt die Sache anders: Der Schutz beruht darauf, die Metallmassen des Bootes auf ein gemeinsames Potential zu bringen und den Entladungsweg zu einem mit dem Wasser in Kontakt stehenden Punkt zu führen. Ziel ist dabei nicht nur der Schutz der Geräte, sondern auch die Verhinderung eines Seitenüberschlags (Side Flash) im Rumpf.
Hervorgehobene Lösungen für die Seefahrt
Lösungen für Außeneinsatz und salzhaltige Luft
Bei Anlagen in Küstennähe ist die Wahl des Gehäuses ebenso wichtig wie das Schutzgerät selbst. Korrosionsbeständige Lösungen mit Glasfasergehäuse für den Außeneinsatz verlängern die Produktlebensdauer bei Steganlagen, Trockendocks und Freiluftanwendungen deutlich.
RF-, Koaxial- und Datenleitungsschutz
Radar, VHF, AIS und Satellitenkommunikation sind über die Antenne für Überspannungen anfällig. Der Koaxialleitungsschutz schließt diesen Weg, ohne die Signalleistung zu beeinträchtigen. NMEA- und Datenbusleitungen wiederum benötigen ihre eigenen Schutzstufen.
DC-Schutz an Bord
Für 12–48-V-Batteriebänke, Wechselrichter und Ladesysteme geeigneter DC-seitiger Schutz. In der geschlossenen, brennbares Material enthaltenden Bootsumgebung ist die Wahl eines Geräts mit zuverlässigem Trennverhalten entscheidend.
Wie gehen wir vor?
- Festlegung des Umfangs An Bord, landseitig oder beides — der Schutzplan wird entsprechend ausgelegt.
- Begehung und Risikobewertung Für landseitige Anlagen wird eine Risikoanalyse nach TS EN / IEC 62305-2 durchgeführt; bei Booten wird der vorhandene Bestand an elektrischen und elektronischen Systemen erfasst.
- Material- und Gehäusewahl Für die salzhaltige Umgebung geeignetes Leitermaterial, Verbindungsmethode und Schutzklasse werden festgelegt; die galvanische Verträglichkeit wird dabei berücksichtigt.
- Gemeinsame Auslegung von Energie-, DC- und RF-Leitungen Die drei Leitungsarten werden nicht getrennt, sondern koordiniert geplant.
- Umsetzung, Messung und periodische Kontrolle Aufgrund der Korrosion in der maritimen Umgebung ist die periodische Messung hier kritischer als bei Landanlagen.
Schutzplan für Ihre Yacht oder Marina
Yacht, Marina, Steganlage oder Werft — unabhängig vom Umfang bewerten wir das Risiko gemeinsam. Kontaktieren Sie uns für eine Begehung und Erstbewertung.