Gewerbegebäude

In einer Industrieanlage ist das Risiko die Produktion; im Gewerbegebäude ist das Risiko der Mensch. In Gebäuden wie Krankenhäusern, Einkaufszentren, Hotels, Büros und Schulen ist Blitzschutz vor allem eine Frage der Personensicherheit — noch vor dem Schutz von Geräten.

Warum wird das Risiko bei Gewerbegebäuden anders berechnet?

TS EN / IEC 62305-2 behandelt die möglichen Verluste durch einen Blitzeinschlag in vier Kategorien. Darunter ist R1 — das Risiko des Personenverlusts die Komponente mit der niedrigsten Toleranzgrenze der Norm. Je mehr Menschen sich im Gebäude aufhalten und je länger sie dort bleiben, desto schwieriger wird es, die zulässige Risikogrenze einzuhalten.

In einem Lager arbeiten dreißig Menschen; in einem gleich großen Einkaufszentrum befinden sich im Tagesverlauf Zehntausende. Im Krankenhaus sind die Menschen nicht nur zahlreich, sondern auch schwer zu evakuieren. Deshalb erfordern zwei gleich große Gebäude je nach Nutzungszweck völlig unterschiedliche Schutzklassen.

Der zweite Unterschied liegt in der gegenseitigen Abhängigkeit der gebäudetechnischen Systeme. Brandmeldezentrale, Aufzugssteuerung, Notbeleuchtung und Lautsprecheranlage müssen gleichzeitig funktionieren. Fällt eines dieser Systeme aus, verliert auch die Funktion der anderen ihren Sinn.

Hohe Personendichte

Nutzerzahl und Aufenthaltsdauer sind die entscheidenden Eingabewerte der Risikoberechnung. Bei stark frequentierten Gebäuden ist die Toleranzgrenze niedrig.

Sicherheitssysteme für den Personenschutz

Brandmeldeanlage, Aufzug, Notbeleuchtung und Lautsprecheranlage müssen unter allen Umständen funktionsfähig bleiben.

Betriebsunterbrechung

Ein geschlossenes Einkaufszentrum, eine abgesagte Operation, ein evakuiertes Hotel — die Kosten liegen weit über dem Gerätewert.

Hochwertige Ausrüstung

Bildgebende Geräte, Serverräume und Gebäudeautomation sind die teuersten und empfindlichsten Werte des Gebäudes.

Wo wird der Schutz im Gebäude installiert?

Bei Gewerbegebäuden ist der Schutz nicht mit dem Einbau eines Geräts in einen Schaltschrank erledigt. Von der Energieeinspeisung bis zum Endgerät wird eine gestufte Schutzkette aufgebaut; Sicherheitssysteme und Schwachstromanlagen werden zusätzlich gesondert behandelt.

Dies ist das erste Glied der Kette. Verfügt das Gebäude über ein äußeres Blitzschutzsystem, ist hier ein Typ-1-Überspannungsableiter zwingend erforderlich. Bei Hochbauten und Gebäuden mit Fangeinrichtung auf dem Dach gilt diese Anforderung praktisch immer.

Bei Anwendungen vor dem Zähler und am Gebäudeeingang werden bevorzugt Funkenstrecken-Technologien (Spark Gap) eingesetzt, die keinen Ableitstrom erzeugen — das verhindert ein unnötiges Auslösen des Fehlerstromschutzschalters.

Die über die Hauptverteilung durchgelassene Restspannung wird in den Etagenverteilungen durch Typ 2 begrenzt. In Einkaufszentren und Geschäftszentren ist jede Mieterverteilung ein eigener Schutzpunkt; in Krankenhäusern müssen die Abteilungsverteilungen (OP, Intensivstation, Bildgebung) einzeln bewertet werden.

Modelle mit integrierter Sicherung machen einen separaten Sicherungsplatz im Schaltschrank überflüssig und beschleunigen die Montage.

Brandmeldezentrale, Aufzugssteuerung, Notbeleuchtung, Lautsprecheranlage und Rauchabzugssysteme — ihnen allen ist gemeinsam, dass sie genau dann funktionieren müssen, wenn sie am dringendsten benötigt werden.

Brandmeldesysteme sind besonders kritisch: Die Melderleitungen verlaufen durch das gesamte Gebäude und sind anfällig für Einkopplung. Gibt die Zentrale nach einem Blitzeinschlag einen Fehlalarm oder überhaupt keinen Alarm, hat beides ernste Folgen. Bei Aufzügen kann ein Defekt der Steuerungsplatine bedeuten, dass Menschen in der Kabine eingeschlossen bleiben.

BMS/KNX-Leitungen, Kamerainfrastruktur (CCTV), Zugangskontrollsysteme, Netzwerk-Backbone und Serverraum. Diesen Systemen ist gemeinsam, dass ihre Kabelwege lang durch das gesamte Gebäude verlaufen — hier ist das Einkopplungsrisiko am höchsten.

Auf dem Dach montierte Geräte wie Kameras und Antennen tragen zusätzlich ein direktes Einschlagrisiko; ihre Koaxialleitungen benötigen eigene Schutzgeräte.

Dies ist der am schnellsten wachsende und beim Schutz am häufigsten übersehene Bereich von Gewerbegebäuden. Eine Ladestation ist ein empfindliches Gerät, das Leistungselektronik, Steuerungsplatine, Kommunikationsmodul und Messsystem vereint.

Bei Freiluft-Parkplätzen stellt die direkte Exponierung, bei Tiefgaragen die lange Zuleitung das Risiko dar. Erst das Zusammenspiel von Typ 1 am Gebäudeeingang mit Typ 2+3 an der Ladeleitung vervollständigt den gestuften Schutz.

Das Dach ist die Fläche des Gebäudes, die als erste mit dem Blitz in Kontakt kommt, und zugleich in modernen Gebäuden der am dichtesten belegte Technikbereich: Kühlgeräte und Klimazentralen, Aufzugsmaschinenräume, Antennen- und Satellitenanlagen, Solarmodule, motorisierte Beschattungssysteme.

Für diese Geräte muss der Trennungsabstand (s) zur Fangeinrichtung eingehalten werden; ist das nicht möglich, ist ein Potentialausgleich herzustellen. Außerdem ist der Zugang zum Dach bei Hochbauten kostenintensiv — ein defektes Gerät bedeutet weit höhere Zugangs- und Arbeitskosten als den reinen Gerätewert.

Hervorgehobene Lösungen nach Gebäudetyp

Gesundheitswesen

Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen

Schwer zu evakuierende Nutzer, Medizingeräte, die ununterbrochen laufen müssen, und hochwertige Bildgebungssysteme kommen hier zusammen. OP, Intensivstation und Bildgebung erfordern jeweils eigene Schutzstufen; eine Stromabschaltung zu Wartungszwecken ist in den meisten Bereichen nicht möglich.

Einzelhandel

Einkaufszentren und Geschäftszentren

Hohe Nutzerdichte, zahlreiche unabhängige Mieterverteilungen und große Dachflächen. Systeme der Gemeinschaftsbereiche (Rolltreppen, Beleuchtung, Parkplatz, Lautsprecheranlage) und die Mieterinstallationen müssen getrennt geplant werden.

Daten und Büro

Rechenzentren und Bürogebäude

Unterbrechungsfreiheit ist die grundlegendste Anforderung. Dass das Schutzgerät nach einem Defekt keine Sicherung auslöst und für den Modulwechsel keine Stromabschaltung erfordert, ist das wichtigste Kriterium für die Produktwahl in diesen Gebäuden.

Beherbergung und Bildung

Hotels, Schulen und öffentliche Gebäude

Hohe Nutzerzahl, zahlreiche Endgeräte und eine umfangreiche Schwachstrominfrastruktur. In diesen Gebäuden sind der Endgeräteschutz (Typ 3) und der Schutz der Gebäudeautomationsleitungen genauso wichtig wie die Hauptverteilung.

Wie gehen wir für Ihr Gebäude vor?

  1. Gebäude- und Nutzungsanalyse Gebäudehöhe, Dachstruktur, Nutzerdichte und Aufenthaltsdauer sowie der Kritikalitätsgrad der einzelnen Bereiche werden ermittelt.
  2. Risikoanalyse und Schutzklasse Das Risiko wird nach TS EN / IEC 62305-2 berechnet; die Komponenten Personenverlust (R1) und Betriebsausfall (R2) werden getrennt bewertet.
  3. Gemeinsame Auslegung von äußerem und innerem Blitzschutz Dachfangeinrichtung, Ableitungen, Trennungsabstand und die Schutzstufen im Schaltschrank werden als ein zusammenhängendes Ganzes geplant.
  4. Planung der Schwachstromsysteme Für Brandmeldeanlage, Aufzug, BMS, CCTV und Datenleitungen werden eigene Schutzlösungen festgelegt.
  5. Umsetzung, Messung und periodische Kontrolle Nach der Montage werden Erdungswiderstand und Durchgängigkeit gemessen und dokumentiert; ein Programm für periodische Kontrollen wird erstellt.

Lassen Sie uns einen Schutzplan für Ihr Gebäude erstellen

Krankenhaus, Einkaufszentrum, Hotel oder Büro — lassen Sie uns gemeinsam die richtige Schutzklasse entsprechend dem Nutzungszweck Ihres Gebäudes festlegen. Kontaktieren Sie uns für eine Begehung.

KOSTENLOSE BESICHTIGUNG
Bitte aktiviere JavaScript in deinem Browser, um dieses Formular fertigzustellen.